Der deutsche Aktienindex DAX klettert und klettert, obwohl täglich zu lesen ist, wie schlecht es um die deutsche Wirtschaft bestellt ist. Wie passt das zusammen?
Zunächst ist festzuhalten, dass die im DAX abgebildeten Unternehmen international tätig sind. Deshalb trifft sie eine schwächere Wirtschaftslage in Deutschland nicht voll und meistens sogar nur zu einem geringen Teil. Losgelöst davon stehen Branchen wie die Chemie- und vor allem die Automobilindustrie, die Ausdruck unserer starken, exportorientierten Wirtschaft sind oder zumindest waren, vor großen Herausforderungen. Und zutreffend ist auch, dass trotz der schleppenden Kursentwicklung dieser Branchen der DAX eine klare Aufwärtstendenz aufweist. Versicherungen zeigen sich beispielsweise sehr robust: Sie profitieren von den höheren Zinsen, sind international erfolgreich und verfügen über ein resilientes Geschäftsmodell.
Nun sollen die Zinsen weiter nachgeben. Dann geht es wieder in die andere Richtung?
Maßgeblich für die Zinspolitik der großen Zentralbanken ist die Inflationsentwicklung. Von dieser Seite gab es zuletzt gemischte Signale, aber die Tendenz zeigt nach unten, also eine Abschwächung der Preissteigerungsraten. Damit öffnen sich die Spielräume für Zinssenkungen. Diese wirken insgesamt stimulierend, weil sie die Finanzierungskosten der Unternehmen senken.
Wir verzeichnen eine über viele Jahre gesehene erfreuliche Wertentwicklung bei den Mischfonds und vermögensverwaltenden Fonds. Drohen jetzt wieder Niedrigzinsen?
Nein, denn wir haben es nur mit einer leichten Abschwächung zu tun. Die Zinsen bleiben höher als in der ausgeprägten Niedrigzinsphase, die der europäischen Staatsschuldenkrise (Euro-Krise) lange Zeit folgte. Das heißt, Branchen, denen eine Normalisierung der Zinslandschaft gut tut, dürfen sich weiter über eine Unterstützung freuen. Das betrifft etwa Banken oder Versicherungen.
Und was heißt dies für die privaten Anleger?
Wir verzeichnen eine über viele Jahre gesehene erfreuliche Wertentwicklung bei den Mischfonds und vermögensverwaltenden Fonds. Auch der Politik ist diese Entwicklung nicht verborgen geblieben. Sie hat Vorschläge auf den Tisch gelegt in Richtung einer stärker aktienbasierten Rente. Im Grunde gibt es eine große Einigkeit, dass beim langfristigen Vermögensaufbau das Potenzial von Aktienanlagen genutzt werden sollte. Richtig ist aber auch: Es ist eine individuelle Entscheidung in Abhängigkeit von Anlagehorizont und Chance-/Risikoneigung, wie viele Aktien ein jeder bei seiner Vermögensanlage berücksichtigen soll. Dies bedeutet auch, wenn Anleger sich ihrem Renteneintritt nähern, sollten sie zumindest den Teil ihres Vermögens, den sie für die Gestaltung ihres Lebensabends benötigen, sicher anlegen. Die höheren Zinsen bieten die Möglichkeit, dies gut diversifiziert in Investmentfonds zu tun. Für die geburtsstarken Jahrgänge, die nun dem Renteneintritt entgegenstreben, ist dies eine gute Nachricht.