Rückblick 3. Quartal 2025
Im dritten Quartal 2025 standen die Finanzmärkte weltweit unter Druck – ausgelöst durch neue Zölle, geopolitische Spannungen und politische Unsicherheit, insbesondere in Europa. Trotzdem zeigten sich die Märkte erstaunlich widerstandsfähig. So stieg der US-Aktienindex S&P 500 um 8,1%, angetrieben vor allem durch starke Kursgewinne bei Technologie- und KI-Unternehmen. Die weltweiten Kapitalzuflüsse in Aktien blieben hoch, wenngleich sich die Entwicklung regional deutlich unterschied: Während es in den USA sehr gut lief, hatte Europa mit schwächerem Wachstum und mehr Handelsrisiken zu kämpfen. Ende August sorgte Frankreich kurzzeitig für Unruhe an den europäischen Kapitalmärkten. Premierminister François Bayrou forderte ein Vertrauensvotum, was Zweifel an der Stabilität seiner Regierung auslöste. Dadurch stiegen die Risikoaufschläge für französische Staatsanleihen vorübergehend an. Nachdem sich die Lage wieder beruhigt hatte, gingen auch die Risikoaufschläge für Anleihen aus den südlichen Euroländern zurück. Am Anleihemarkt zeigten US-Staatsanleihen starke Schwankungen, legten aber im Wert zu, da die Märkte zunehmend mit einer Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) rechneten. Diese erfolgte tatsächlich am 17. September. Die Europäische Zentralbank blieb dagegen bei ihrem abwartenden Kurs, was für stabile Renditen deutscher Bundesanleihen sorgte. Unternehmensanleihen mit guter Bonität profitierten von soliden Unternehmensgewinnen und einer weiterhin hohen Nachfrage. Dadurch sanken die Risikoaufschläge weiter. Noch besser entwickelten sich Hochzinsanleihen und Anleihen aus Schwellenländern. Insbesondere Anleihen aus Schwellenländern in US-Dollar profitierten von der zwischenzeitlichen Dollarschwäche und den attraktiven Realzinsen. Bei den Rohstoffen blieb die Lage wechselhaft: Der Ölpreis stieg im August kurzzeitig aufgrund der Spannungen im Nahen Osten, gab danach jedoch wieder leicht nach. Gold erreichte mit über 3.800 US-Dollar ein neues Rekordhoch, da Anleger vermehrt nach Sicherheit suchten. Der US-Dollar zeigte sich insgesamt stabil, obwohl er zeitweise aufwertete, wenn die Risikoaversion zunahm. Insgesamt zeigte sich das Quartal robust: Trotz vieler Unsicherheiten blieben Risikoanlagen gefragt – gestützt durch solide Fundamentaldaten und reichlich Liquidität.
Ausblick – Kapitalmärkte
Die vier zentralen Themen des bisherigen Jahres 2025 werden aller Voraussicht nach auch den weiteren Jahresverlauf prägen. Zölle: Zwar hat die Unsicherheit abgenommen, doch die wirtschaftlichen Folgen stehen noch bevor. Die Unberechenbarkeit der US-Regierung bleibt ein zentraler Risikofaktor. Zentralbanken: Zinssenkungen wirken zwar unterstützend, doch die Inflation bleibt hartnäckig. Zudem wird die Unabhängigkeit der Notenbanken zunehmend politisch infrage gestellt. Eurozone: Politische Instabilität, insbesondere in Frankreich, erschwert die Haushaltskonsolidierung. In Deutschland dürften fiskalische Impulse später als erwartet kommen. Geopolitik: Die Konflikte bleiben ungelöst. Ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine wird immer unwahrscheinlicher, während der israelische Angriff auf Katar und die Bodenoffensive im Gazastreifen die Spannungen im Nahen Osten weiter verschärfen. Gleichzeitig konzentrieren sich die USA im Rahmen einer neuen „Monroe-Doktrin” stärker auf Lateinamerika, insbesondere auf Venezuela. In den USA hat der Haushaltsstillstand die politische Polarisierung vertieft. Schwächere Arbeitsmarktdaten führten dazu, dass die Märkte bis Mitte 2026 mit einem Leitzins von rund 3% rechnen. Allerdings dürfte die zollbedingte Inflation in der ersten Jahreshälfte 2026 hoch bleiben, was eine rasche Rückkehr zu einer neutralen Geldpolitik erschwert. Wir erwarten daher ein schwächeres Wachstum oder eine Zyklusabkühlung, was angesichts hoher Bewertungen und der jüngsten Stärke eine Herausforderung für die Märkte darstellen würde. Die wachsende politische Einflussnahme auf die Fed, Diskussionen über ein „drittes Mandat“ und hohe Staatsdefizite erhöhen das Risiko höherer Inflationsprämien und stützen die Nachfrage nach Sachwerten wie Gold. Viele Länder reagieren auf die Zölle mit neuen Konjunkturprogrammen, die meist fiskalischer Art sind. Das belastet die öffentlichen Finanzen zusätzlich. Die EZB steht kurz vor dem Ende ihres Zinssenkungszyklus und das Entlastungspotenzial in Europa ist begrenzt. In China hat die Notenbank mehr Spielraum, doch die strukturellen Probleme sind nach wie vor erheblich. Die Märkte sollten sich daher stärker auf das reale Wirtschaftswachstum statt auf die Unterstützung durch Zentralbanken fokussieren.